50 Jahre MFC

Aus der Geschichte des Motorflugsportclub Berlin e. V. ( MFC )

Vereinsgründung

Am 25. August 1955 versammelte sich in Berlin eine Gruppe von acht ehemaligen Piloten der Deutschen Luftwaffe – einige befanden sich zu Kriegszeiten noch in der Ausbildung – , um einen Motorflugsportclub zu gründen. Deutschland hatte von den Alliierten in Folge des zweiten Weltkrieges am 05.05.1955 die Lufthoheit für den Motorflug zurückbekommen (für Segelflug bereits am 01.09.1951).

Diese acht Gründungsmitglieder waren Günther Kühn, Kurt Kindt, Wolfgang Lacmann, Carl-Günter Schmidt, Hanns-Dieter Fritzsche, Dr. Günther Bergholz, Friedhelm Worszak und Erich Franz. Man gab sich zunächst den Namen Motorflugsportgruppe I.

Nur drei Tage nach dem historischen Gründungsdatum trat am 28. August 1955 ein weiterer ehemaliger Kriegsflieger dem Verein bei. Es war Erich Muchametow, der somit kein „echtes“ Gründungsmitglied war und der mit dieser Tatsache oft scherzhaft konfrontiert wurde.

Am 10. Oktober 1955 wurde dann von den damaligen Mitgliedern eine Satzung ausgearbeitet und der Verein nannte sich von nun an Motorflugsportclub Berlin e.V.

Am 07. November 1955 wurde die Eintragung des Vereins unter der Nummer 23 84 Nz in das Vereinsregister vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestätigt.

Flugzeuge

Nach der Überführung einer Bücker 181 mit der Kennung D – EBIM von Hamburg nach Lübeck-Blankensee durch Günther Kühn und Hanns-Dieter Fritzsche am 01.10.1955 unternahm der MFC als Verein dort in Schleswig-Holstein am 02.10.1955 seine ersten Flüge (in Berlin durften bekanntlich deutsche Staatsbürger erst nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 fliegen). Am 17.10.1955 flog man zum ersten Mal in Niedersachsen am Flugplatz Braunschweig-Waggum mit einer Bücker Bestmann mit der Kennung D – EBUL, die man im Jahre 1956 dann auch als erstes Clubflugzeug für ganze 12.000,00 DM erwarb. Diese Maschine wurde im Verein rund zwei Jahre geflogen. Es folgte im Jahre 1958 eine Piper PA22 Tri-Pacer mit der Kennung D – EMZU für ca. drei Jahre. Im April 1961 kaufte der MFC eine Mooney-Mark mit der Kennung D – EMMO , die man bis zum März 1967 behielt. Da der Verein bis 1965 etwa 20 Mitglieder selbst schulte, kaufte man im März 1962 als zweites Clubflugzeug eine Jodel mit der Kennung D – EGEO , die jedoch rund zwei Jahre später, im Februar 1964, gegen eine weitere Piper PA22 Tri-Pacer mit der Kennung D – EBNU , ausgetauscht wurde. Im März 1967 verkaufte der Club dann beide Maschinen (die Mooney-Mark und die Tri-Pacer) und erwarb dafür eine fabrikneue Cessna C172 mit der Kennung D – EMFC , also mit dem Vereinskürzel als letzte drei Buchstaben, und flog diese bis zum März 1974 und damit den Verein aus den roten in die schwarzen Zahlen. Durch einen guten Verkauf dieser Maschine war der Club nun in der Lage, sich sofort eine Robin Safari aus Frankreich mit der Kennung D – EMFB anzuschaffen. Mit diesem Tiefdecker machten zwei Clubmitglieder westlich des Landeplatzes Peine-Eddesse (dieses war der neue Heimatflugplatz des Vereins) nach nur rund drei Monaten im Juni 1974 eine Außenlandung, wobei das Flugzeug erheblich beschädigt wurde. Auf dem Sitz des Co-Piloten saß Erich Muchametow als Einweiser und führte die nicht geplante Landung infolge eines technischen Defektes selbst durch. Die Versicherung reagierte schnell und somit erhielt man von Hersteller noch im selben Monat eine Ersatzmaschine desselben Typs, also eine Robin-Safari mit der Kennung D – EORB . Mit diesem zum großen Teil aus Kunststoff gefertigten Flugzeug war der Club nicht zufrieden. Ein weiterer Triebwerksausfall zu Ostern 1976 ähnlich wie der vom Juni 1974 – diesmal jedoch mit glücklicherem Ausgang – , ein Motorbrand und Haarrisse im Motorgehäuse veranlassten den Club schließlich, sich nach einem wirtschaftlicheren Sportgerät umzusehen. Die Wahl fiel auf eine Piper PA28 – 181 Archer mit der Kennung D – EMFK , die man im Austausch zur Robin-Safari im April 1978 als Neuflugzeug erwarb. Die in Einzelteile zerlegte Maschine wurde auf Paletten aus den USA nach Deutschland gebracht und am Flugplatz Kassel-Calden bei Piper montiert. Diese Archer II flog der Club bis zum April 1993, also exakt 15 Jahre. Mit diesem Flugzeug hat sich der Verein trotz kleiner Havarien (Kollision auf Sylt mit einem Zaun und mit Lampen der Startbahnbegrenzung unmittelbar vor dem Aufsetzen in Norderney, Reifenpanne mit kleinen Schäden bei einer Landung in Peine-Eddesse und Bruchlandung in einem Graben in Hodenhagen) finanziell wieder erholt, um nach „Größerem“ zu streben. Dieses war nun eine Piper PA28 – 236 Dakota mit der Kennung D – EMFI , die per Ferry-Flug aus den USA herübergebracht wurde. Das Flugzeug hatte beim Eintreffen in Deutschland schon fast 50 Stunden auf dem Buckel. Mit der Dakota verfügte der Club ab Mai 1993 zum ersten Mal über eine Maschine mit einem sechszylindrigen Motor und mit Verstellpropeller. Das Flugzeug war sehr durstig, flog sich aber hervorragend und war für Kenner ein „echter“ Viersitzer.

Der schwärzeste Tag des MFC war dann Sonntag, der 05. Oktober 1997, an dem ein Clubmitglied nebst Frau und noch einem Bekannten auf dem Rückflug von Bremerhafen nach Schönhagen bei schlechtem Wetter zwischen Bremen und Hamburg ins Hatzter Moor stürzte und niemand überlebte. Das war ein Schock für alle.

Nun musste man sich nach einem neuen Flugzeug umsehen. Es fiel die Wahl auf eine fünf Jahre alte Piper PA28-181 Archer, die die Clubmitglieder vom Typ her bestens kannten und die am 1. April 1998 in Berlin-Tempelhof übernommen wurde. Diese Maschine fliegt der Verein noch heute und alle Mitglieder haben – so kann man wohl sagen – ihre Freude daran.

Fazit: Bis heute hat der MFC insgesamt 11 Flugzeuge angeschafft, d. h. im Durchschnitt rund alle fünf Jahre eine neue - manchmal auch gebrauchte - Maschine.

Weitere Flugzeuge

Der Motorflugsportclub Berlin e. V. hatte immer so um die 20 Mitglieder, mal mehr oder meistens jedoch weniger, was für eine Clubmaschine optimal ist.

Ausserdem hat man im Verein gelegentlich auch Fremdflugzeuge gechartert, wenn die eigene Clubmaschine zum Beispiel durch Reparatur mal nicht zur Verfügung stand.

Flugplätze

Da in Berlin bekanntlich nicht geflogen werden durfte, war der erste Heimatflughafen für den MFC im Jahre 1956 Braunschweig. Im Jahre 1964 wechselte man nach Peine-Eddesse, wo man sich viele Jahre ausgesprochen zu Hause fühlte und auch zur Nachbarschaft gute Kontakte pflegte. Als jedoch die Anlagen nicht mehr optimal gewartet wurden und man zum Beispiel die Hallentore nur noch mit einer Brechstange bewegen konnte und es Probleme mit der Kantinenbewirtschaftung gab, übersiedelte der Club mit seinem Flugzeug im Frühjahr 1989 nach Hodenhagen, wo man in einer neu gebauten Rundhalle einen eigenen Abstellplatz für rund 60.000 DM erwarb. Dort fühlte man sich wohl und unser ehemaliges Clubmitglied Werner Teske baute sich direkt am Platz ein Haus, in dem er noch heute mit seiner Frau Gisela lebt. Als jedoch im Herbst 1989 für alle unerwartet der Fall der Mauer kam und man nun auch endlich über dem Gebiet der ehemaligen DDR fliegen durfte, zog es alle konsequent in die Nähe von Berlin. Einen geeigneten Landeplatz fand man schließlich Ende 1990 in Schönhagen, keine 50 km südwestlich von Berlin. Durch einen größeren Schaden bei einer Landung in Hodenhagen am 25.10.1990 musste die Clubmaschine in die Werkstatt und konnte erst im April 1991 nach Schönhagen geflogen werden, wo man in einer alten großen Halle einen leider nicht festen Stellplatz fand. Als dann der Flugplatz modernisiert wurde und neben einer festen Asphaltbahn 07/25 auch der Tower neu gebaut wurde und einige Hallen neu entstanden, erhielt die Clubmaschine ab Juni 2000 einen sehr schönen Platz in einem modernen großen Hangar namens „Alpha“ gleich neben dem Turm. Durch interne Querelen zwischen der Flugplatzgesellschaft und dem Senat bezüglich der Hallenverwendung konnte dieser Hangar schließlich nicht mehr zum Abstellen von Flugzeugen genutzt werden und so wurde kurze Zeit später eine völlig neue Halle namens „Oskar“ errichtet, in der das Flugzeug bis heute untergestellt ist. Der geliebte Rundhallenplatz des MFC in Hodenhagen wurde gleich nach der Überstellung der Maschine nach Schönhagen verkauft.

Natürlich hat man in der Zwischenzeit mehrfach versucht, einen besseren Standort zu finden, wobei neben Berlin-Tempelhof (schied aus Kostengründen aus) zum Beispiel der Flugplatz Bienenfarm ganz oben auf der Liste stand. Doch sämtliche Anstrengungen in dieser Richtung stellten bisher immer wieder klar, dass Schönhagen in der Summe aller Erwägungen für den MFC ein Optimum darstellt, zumal dieser Platz in den letzten Jahren gut ausgebaut wurde und man fast jeden Service – vor allem in technischer Hinsicht für unser Flugzeug – erhält. So gibt es dort auch für die auf den Autokraftstoff MOGAS umgerüstete Clubmaschine D – ETCB den dafür erforderlichen Treibstoff.

Ausbildung

Nach vielen Jahren ohne eigene Clubschulung absolvierten dann 1980 sechs Piloten des Vereins ihre CVFR-Ausbildung in Braunschweig unter der Leitung von Peter Kramer als Fluglehrer mit CPL und IFR-Berechtigung. Er trat 1984 auch dem MFC bei. Mit Peter vollendeten dann die CVFR-Absolventen in 1984 auch ihre Nachtflugberechtigung und einige Fliegerfrauen wurden parallel dazu zum Pinch Hitter ausgebildet. In den Folgejahren erwarben noch weitere Mitglieder ihre Lizenzen (PPL-A, CVFR, NVFR, BZF I + II, AZF).

Reisen

Im Laufe der vergangenen 50 Jahre begaben sich Clubmitglieder mit den Vereinsflugzeugen immer wieder gern auf Reisen. Im europäischen Ausland wurden Ziele in Dänemark (gilt noch heute als eines der fliegerfreundlichsten Länder), Schweden, Norwegen, Finnland, Frankreich, England, Österreich, Italien, Griechenland und Spanien angeflogen und nach der Wiedervereinigung auch Polen, Tschechien und Ungarn. Darüber hinaus reizten auch weiter entfernte Ziele wie die Türkei, Ägypten und Marokko.

Besonders erwähnenswert war ein Gruppenflug vom 20. bis 23.05.1971 mit 20 Mitgliedern des MFC in fünf Flugzeugen vom Typ Cessna C172 nach Epernay in Frankreich. Anlass war ein Schreiben des Clubmitgliedes Jean-Marie Bourg vom 08.02.1971, der als französischer Handelsrat in Berlin anlässlich der Grünen Woche über seinen Deutschland-Vertreter Max Le Tourneur diese Einladung aussprach. Ziel war der Besuch des Grafen Chandon, der als Inhabers der Champagner Firma Moet et Chandon zu dieser Zeit auch Präsident des Aeroclubs in Epernay war. An- und Abreise zum Ausgangs- und Endpunkt der Tour war Hannover-Langenhagen. Dorthin und auch wieder zurück gelangte man ebenfalls als Gruppe mit PAN AM ab Berlin-Tempelhof. Neben der Clubmaschine D – EMFC waren die Flugzeuge D – ELCE , D – EJWO und zwei weitere gecharterte Flugzeuge D – EEBH und D – EKCO im Einsatz. Zunächst ging es von Langenhagen zum Flughafen Siegerland. Über die Zollflugplätze Saarbrücken und Metz ging es dann nach Epernay, wo alle Teilnehmer vom Grafen Chandon nebst Gattin großzügig zu einem Essen und zur Verkostung der Edelsorten im Champagner-Keller von Moet et Chandon eingeladen wurden.

Und weil dieser Ausflug im Jahre 1971 so schön war, beschloss man im Club, im folgenden Jahr wieder eine gemeinsame Tour zu machen. Und so ging es wieder mit fünf Flugzeugen vom Typ Cessna C172 vom 10. bis 14.05.1972, diesmal mit 18 Teilnehmern, nach Frankreich. Start und Endziel war wieder Hannover-Langenhagen, wohin man wie im Vorjahr als Gruppe per PAN AM ab Berlin-Tempelhof gelangte. Neben der Clubmaschine D – EMFC waren wieder die Flugzeuge D – ELCE, D – EJWO und noch zwei gecharterte Maschinen D – EBWS und D – EKCO im Einsatz. Auf diesem Trip, bei dem u. a. die Cessna-Werke in Reims und die Cognac Brennerei der Firma Hennessy besucht wurden, war jedes Flugzeug rund 18 Stunden in der Luft und die Kosten lagen bei nur sagenhaften ca. 500,00 DM pro Person.

Sport- und Sonderveranstaltungen

Der MFC ist - was der Name schon sagt - auch ein Sportclub. Und somit haben die Mitglieder auch an verschiedenen fliegerischen Veranstaltungen teilgenommen. Zum Beispiel war man mehrfach Teilnehmer am so genannten Deutschlandflug (zum ersten Mal übrigens schon vom 21. bis 26.06.1956 mit der D – EBUL), belegte aber nie einen der ersten Plätze. Das hat man anderen überlassen. Nach dem olympischen Motto „DABEI SEIN IST ALLES“ hatte man auch so seinen Spaß.

Mehrmals begaben sich einige Kameraden mit dem Vereinsflugzeug zum AOPA-Camp nach Eggenfelden, einem Spezial-Training für Alpenflüge.

Am 12.10.2000 nahmen die Mitglieder Littmann und Blachwitz mit der Clubmaschine auch am FLY IN in Berlin-Tempelhof zum 50jährigen Bestehen des Deutschen Aero Club Luftfahrtverband Berlin e.V. teil.

Blick in die Zukunft

Zur Zeit hat der MFC 16 Mitglieder, davon 14 Aktive in Berlin. Das Vereinsflugzeug, eine Piper PA28-181 mit der Kennung D – ETCB, ist optimal ausgerüstet. Trotzdem wird ab und zu mal wieder von einigen Fliegerkameraden nach einer besseren und vor allen Dingen preiswerteren Lösung gesucht, um sich durch die Luft zu bewegen. Angebote gibt es diverse auf dem Markt - man denke nur an die neue Generation von Kleinflugzeugen mit Dieselmotor - , doch der Kaufpreis eines solchen Objektes holt jeden ziemlich schnell wieder auf festen Boden zurück. Und die Ultraleichten sind bisher in Bezug auf Komfort keine wirkliche Alternative.

Da jeder Club in erster Linie von seinen Mitgliedern lebt und die älteren naturbedingt irgendwann einmal ausscheiden, muss man sich rechtzeitig nach neuen fluginteressierten Personen umschauen, die in unseren Verein passen und die sich bei uns auch wohl fühlen. Es steht fast jedem an der Fliegerei interessierten offen, an einem der monatlichen Clubsitzungen teilzunehmen und für sich zu entscheiden, ob man Mitglied im Motorflugsportclub Berlin e.V. werden möchte.

Vereinslokal des MFC

Es ist von jeher Brauch, dass sich die Mitglieder des MFC einmal im Monat treffen. Seit Jahrzehnten ist das der erste Montag im Monat. Abweichend von diesem Termin hat man gelegentlich auch andere Tage festgelegt, ist aber immer wieder zur alten Gewohnheit zurückgekehrt. Gelegentlich fanden diese Zusammenkünfte auch an anderen Orten oder privat bei einigen Clubkameraden statt, doch das waren die Ausnahmen.

Zur Zeit: Tiroler Bauernstuben (Scholzplatz)